geist & zeit

Donnerstag, 26. Juli 2007

»just another tuesday morning in my quiet capital city«

irgendwann werden wir über meldungen wie die nachfolgende auch wieder schmunzeln können. oder unseren enkeln erzählen, was für hysterische zeiten wir erlebt haben. hoffe ich.
»Am Montagvormittag gegen 10 Uhr stellte der Halter eines im Gluckweg abgestellten ›VW Touareg‹ einen platten Vorderreifen an seinem Fahrzeug fest. Gegen 14 Uhr bemerkte der Fahrer eines in der Franzstraße geparkten Lkw ›Mitsubishi‹, dass der hintere linke Reifen keine Luft hatte. An beiden Fahrzeugen wurden Bekennerschreiben gefunden. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.
[pressemeldung der berliner polizei vom 24.07.07 :: via lawblog :: beiläufig: erinnert das eigentlich nur mich an das hier?]

Mittwoch, 27. Juni 2007

»auch mal: kurz korrigiert«

ausschnitt aus sueddeutsche.de

»Patrick Knight, verurteilter Doppelmörder in Texas, hatte entgegen seiner Ankündigung doch keinen Witz auf dem elektrischen Stuhl erzählt«
mit verlaub liebe sueddeutsche.de-redaktion, ich weiß zwar nicht, auf welche quellen ihr euch mit dieser meldung stützt, aber selbst wenn mr. Knight einen witz hätte erzählen wollen (ja, die geschichte stimmt tatsächlich), hätte er das sicher nicht auf dem elektrischen stuhl getan, da die todesstrafe in texas heute ausschließlich per giftspritze vollstreckt wird.

zugegeben, so ein »mercy seat« ist natürlich ungleich gruseliger/respekteinflößender als so eine eher unspektakuläre exekutionsliege — aber hättet ihr dann nicht wenigstens auch den texanischen, infamous »Old Sparky«, zeigen können, der seit 2002 im museum steht, statt den (ebenfalls inzwischen außer dienst gestellten) des bundesstaates georgia?

die übrigens gänzlich unwitzige geschichte von todeskandidat nr. 15/2007 in texas kann, wer des englischen mächtig ist, z.b. hier nachlesen.

Donnerstag, 19. April 2007

»wenn die liebe geht – die hobbys bleiben«

achja, Rainald Grebe! manchmal spricht der mann mir einfach aus der seele ...



»30-jährige pärchen ... / wir wollten nie wie unsre eltern werden / und sind es ja auch nicht geworden / unsre eltern sind ja älter / und ziemlich provinziell / roher fisch auf kaltem reis mit algen / tun die doch in den müll / reich mir mal den rettich rüber ... «
[direktsushi :: mehr rettich von dem stoff bei youtube]

Montag, 16. April 2007

»aufgelesen [07/04/16]«

ein paar lesenswerte beiträge zum »re:publica«/»adical«-jedöns der letzten tage:
  • »die re:publica krankt an genau einer sache, das aber offenbar in jeder einzelnen veranstaltung: konsens. // keine podiums-diskussion, die zum weiteren diskurs im café veranlaßt; keine kontroversen statements; keine fragwürdigen inhalte, über die man sich danach gedanken machen könnte; keinerlei subversion. nichts, worüber man bloggen könnte oder sogar müßte [...] statt dessen eierschaukelei, konsens und langeweile, weil sich alle lieb haben oder doch zumindest im gleichen boot sitzen ...« [argh! :: re:publica, again]

  • »... So wie ich jedem Schwulen sage, freu dich über positiv wahrgenommene Schwule in der Öffentlichkeit, aber mach dich nicht alleine davon abhängig und vor allem schrei nicht rum, daß dir die CSD-Tunten das Image versauen, so kann ich nur jedem Blogger sagen: Mach doch einfach dein Ding. Stell dich so dar wie du willst, aber erwarte nicht, daß jeder Blogger, den du magst, immer 100% für deine Interessen sprechen muss ...« [batzlog :: einer für alle: zieht an meinem finger!]

  • »... Ist klar, alle Kultur ändert sich. Aber immer sind da erst die Leute, die in der Garage werkeln und die Ideen haben. Und dann kommen die anderen und wollen partizipieren, und die Garagenbastler fangen an, ihre Ideen zu verteidigen. Zu Recht oder zu Unrecht, das ist vermutlich mehr Stilfrage als sonstwas und hängt vom Einzelfall ab. Aber am Anfang, bevor etwas Verdienstmöglichkeit wird, ist der Idealist. Immer. // In diesem Falle: Blogs sind erstmal authentisch, persönlich, idealistisch und werbefrei. Super. Dann kommen welche, die alles das nicht sind. Die nennen sich aber trotzdem auch Blogs. Sagen die Garagenblogger: "Äh, so war das nicht gemeint." Sagen die Mitmachenwoller: "Wieso? Jeder kann bloggen, es gibt keine Regeln. Also auch nicht für uns." // Wie soll man sich da nun verhalten?« [gig.antville :: unbehagen beim schwanzvergleich]

  • »... mich beschleicht das gefühl es geht eigentlich bei diesen diskussionen auch gar nicht ums bloggen, es geht nicht um „mitmachenwoller“, um inhalte, idealismus, kommerz oder die grossartigen möglichkeiten und potenziale, es geht um definitionsmacht, mythenbildung, selbsterhöhung und abgrenzung. abgrenzen und kategorisieren in gut oder böse, idealistisch oder kommerziell, rein oder schmutzig, ehrlich oder korrupt, schön oder hässlich, richtig oder falsch – kurz: schwarz oder weiss, entweder/oder. eine kleine übersichtliche welt ohne zwischentöne oder dissonanzen wird da herbeigesehnt ...« [wirres :: _rumbehaupten wirkt]
... und andere nettigkeiten:
  • »... Here we go – time to operate / I'll pull his insides out / And see what he ate // Like a surgeon / Cuttin' for the very first time / Like a su-u-u-u-urgeon ...« ;o)
  • »weil wir papst sind, möchte ich dir ganz herzlich zum 80. geburtstag gratulieren.« [kari-katur in der taz :: mit dank an den lieben Rrho:chus]

  • »... genauso wie der neid in der heimlichkeit sein zuhause hat, sind auch minderwertigkeitsgefühle noch nie sonderlich salonfähig gewesen. auch die behält der komplexgeplagte lieber für sich, hütet sie und legt eine dicke schicht mackertum darüber. nächtelang sucht er nach den fehlern der anderen, schreibt zehnseitige aufsätze darüber, die er ins internet stellt, und das internet eignet sich ideal für sowas. da finden sich immer ein paar noch traurigere seelen, die nur darauf warten, auf den hass und protzig lautes splattervokabular, das reicht ihnen schon, um den autor für den literaten zu halten, der er gerne wär ...« [schwadroneuse :: ...]

  • »Die Unterdrückung von Männern fange schon in der Grundschule an. Jungen würden von ihren Lehrerinnen systematisch benachteiligt und um ihre Zukunftschancen gebracht: "Zwei Drittel der Jugendlichen, die keinen Schulabschluss machen, und drei Viertel der Sonderschüler sind männlich", referiert Eisner. Die Ursachen liegen für den Parteivorsitzenden klar auf der Hand: "Das ist das Ergebnis von 30 Jahren uneingeschränkter Frauenförderung, die jedes Maß verloren hat."« [märkische allgemeine :: Eine neue Partei will der "feministischen Diktatur" in Deutschland ein Ende bereiten und sich für die Gleichberechtigung von Männern stark machen :: via genderblog]

  • was haben (unter anderem) Iggy Pop, Patti Smith, Justin Timberlake, Kate Moss, Dennis Hopper, Sharon Stone, Bono, Lisa Marie Presley, Johnny Depp und Sheryl Crow gemeinsam? – denselben dealer dieses video:

Samstag, 7. April 2007

»aufgelesen [07/04/07]«

heute, passend zu den festtagen, eine kleine, sehr beliebige sammlung von links zum thema mythen:
  • mythos snuff: eine spannende dokumentation der BBC zum thema »snuff movies« – nichts für allzu zart besaitete!

  • mythos innere sicherheit: »die zeit freundlicher kritik und ständiger mahnung, bei der terrorismusbekämpfung augenmaß zu wahren, geht zu ende. nun ist widerstand geboten. unter der neuen „sicherheitsarchitektur“, die der innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die verwandlung der bundesrepublik in einen überwachungsstaat.« – das meint Burkhard Hirsch in der »Süddeutschen« [als musikalische untermalung denke man sich wahlweise Westernhagens »grüß mir die genossen«, Herr Nilssons »das ende der siebziger jahre« oder auch den soundtrack des films »der untergang« hinzu]

  • mythos evolution:

  • mythos neuschwabenland: »von der reichskanzlei in die antarktis? polarforscher sezieren den mythos um "neuschwabenland" und "neuberchtesgaden", die angebliche eisfestung der nazis. linke paranoiker und neonazis haben eine mär um u-boote, ufos und atombomben gestrickt – und um einen kleinen, wahren kern.« Stefan Schmitt berichtet auf SpOn über »die mär von Hitlers festung im ewigen eis« [die untersuchung der beiden polarforscher Colin Summerhayes und Peter Beeching findet sich im magazin »Polar Record«]

  • mythos Mutter Teresa: das legendäre casting für »Mutter Teresa – Das Musical«, frisch aus dem giftschrank der »Titanic«-redaktion:

  • mythos islamisierung: »die angstlust vor dem gefährlichen moslem grassiert. angesichts der internationalen frontstellung zwischen "dem islam" und "dem westen", angesichts von ethnisch segregierten einwanderercommunities in großstädten, von anatolischen paschas, türkischen jugendbanden und kopftuchträgerinnen wähnt man neuerdings sogar in feingeistigen schichten das abendland in gefahr. auch mancher einstige linksliberale klingt da gelegentlich, als wäre er heute in der NPD.« – Robert Misik berichtet in der taz [via vasili]

  • utopie der »einen welt«: vor rund einem jahr sorgte der youtuber MadV mit beeindruckenden magischen tricks für furore. nach seinem plötzlichen abschied aus der community meldete er sich ebenso unvermutet im dezember 2006 wieder, und zwar mit einer einladung:

    fast eine million mal ist das video inzwischen angeschaut worden – und viele, viele youtuber haben die einladung angenommen:

    nennt mich sentimental, ihr lieben, aber selten hat mich ein videoclip tiefer berührt als dieser. und das will was heißen bei jemandem, der sich sonst an hardcore-horrorfilmen ergötzt ...
und damit euch allen ein frohes fest!

Dienstag, 20. Februar 2007

»SZ berichtet :: Stallone: kieferbruch! :: interview mit einer toten«

gerade entdeckt (wenn auch nicht mehr ganz neu): ein sehr hübsches interview mit Sylvester Stallone in der »süddeutschen«! überraschend dabei: der mann hat nicht nur humor, sondern sogar die fähigkeit zu selbstironie und selbstkritik. auch wenn sich einem beflissenen bildungsbürger wie mir dabei gelegentlich die zehennägel aufrollen ...

SZ: Stimmt es, dass sich ein Bild von Anselm Kiefer in Ihrem Haus, nun ja: dematerialisierte?

Stallone: Ich habe dafür 1,7 Millionen Dollar bezahlt! Es war Stroh drauf. Kiefer hat das Stroh mit Klebstoff befestigt. Zu Hause denke ich: Scheiße, was liegt da unterm Bild? Stroh. Jeden Tag ein neuer Halm. Ich rufe den Händler an und sage: ,,Der Kiefer haart.‘‘ Sagt der Händler: ,,Mister Stallone, das muss so sein, das Bild geht durch eine Entwicklung, das Bild lebt.‘‘ Ich dachte, ich werd’ verrückt. 1,7 Millionen Dollar!

SZ: Und dann?

Stallone: Ich hab’ die Halme wieder drangeklebt.

SZ: Nicht wahr.

Stallone: Doch. Jeden Tag lag ein Halm unten, ich hin, Klebstoff, Halm wieder dran. Ich hab’s nicht eingesehen.

SZ: Eine Co-Produktion von Anselm Kiefer und Sylvester Stallone.

Stallone: So ungefähr. Das Bild ist aber verkauft.

SZ: Sie wollten kein Stroh mehr ...

Stallone: Oh, ich habe das Bild geliebt, ein überwältigendes Bild. Aber eben auch sehr groß. Es ging über eine ganze Wand. Und es war so absolut finster. Meine Frau fand, die Kinder könnten depressiv werden. Ich wünschte später, ich hätte es noch ein paar Jahre behalten. Was eure Maler inzwischen an Wert zugelegt haben!

weiter geht's hier.

addendum: ebenfalls interessant, vor allem aber entsetzlich skurril ist das folgende interview aus der SZ vom 7. februar (ja-ha, ich taste mich langsam zur gegenwart vor!) – mit einer toten:

SZ: Hallo Frau Haucke, seit wann genau sind Sie jetzt schon tot?

Haucke: Ich habe von meiner Bank erfahren, dass ich am 3. November verstorben bin. [...]

SZ: Wird einem da ein wenig mulmig, wenn man so etwas liest?

Haucke: Das kann ich Ihnen sagen, ich war erstmal völlig geschockt. [...] Zuerst habe ich dort angerufen, aber das brachte nichts, weil die gesagt haben, da könne ja jeder kommen. Also bin ich drei Tage später nach Berlin gefahren. Ich habe das Konto da noch, weil ich früher mal dort gewohnt habe.

SZ: Sie wollten denen gewissermaßen mal zeigen, dass Sie noch leben.

Haucke: Das war gar nicht leicht. Erstmal haben die mich mit dem Satz begrüßt: "Warum kommen Sie erst heute? Sie sind doch schon seit dem 3. November tot!"

und solche geschichten passieren gar nicht mal so selten, wie z.b. in den kommentaren zum interview nachzulesen ist. bitte hier entlang!

Freitag, 16. Februar 2007

»it's everything!«



;o)

(direkt wasauchimmer; via Annabell)

Samstag, 10. Februar 2007

»back in the 50s ...«

für alle, die die aufregung um deutschlands größtes jugendmagazin in den 50er, 60er, 70er und 80er jahren dank gnädiger vorsehung verpasst haben, gibt es jetzt einen brandneuen aufguss: die »aktion kinder in gefahr«!

»In was für einer Welt werden unsere Kinder und Enkel aufwachsen, wenn die Flut von Pornographie, Blasphemie und Unmoral in den Medien immer weiter ansteigt?

Zu viele in den Medien greifen rücksichtslos die moralischen Grundlagen unserer Kinder an.

Aber der Feind Nr. 1 der Kinder ist die Zeitschrift BRAVO, die jede Woche mit einer Auflagenstärke von 800.000 Exemplaren erscheint und schon von Kindern ab sechs Jahren gelesen wird, wie der Verlag in einer Presseerklärung vom 29. Juni 1999 selbst zugibt.

Es darf nicht so weitergehen, daß die Kindheit in Deutschland durch sogenannte "Jugendzeitschriften" wie BRAVO, die in Wahrheit erotische Blätter sind, zerstört wird.

Deshalb ist es so wichtig, daß Sie an dieser Initiative von „Kinder in Gefahr“ teilnehmen, und den Appell an die Bundesministerin für Jugend, Frau von der Leyen, unterzeichnen und an uns abschicken.«


dahinter verbirgt sich übrigens die so genannte »deutsche vereinigung für eine christliche kultur«, die auch schon für diese reizende aktion verantwortlich zeichnete.

ohje, mir ist schon wieder ganz blümerant zumute ...

(text gefunden via google-ad – da soll noch einer sagen, die fundamentalisten gingen nicht auch mit der zeit ;o)

Montag, 8. Januar 2007

»häppchen«

zugegeben: das thema ist eigentlich längst durch — spätestens seit sich der große verreißer so sehr darin verbissen hatte, dass man schon glauben konnte, es handle sich doch eher um eine privatfehde als um ansatzweise investigativen journalisdings. aber der titanic-kommentar von heute ist einfach zu hübsch, um ihn unzitiert zu lassen:

»StudiVZ — The Next Big Nothing

Wie jetzt durch eine Stellungnahme Martinas gegenüber Stefan bekannt wurde, ist StudiVZ ja soooooo geil LOL. Sie habe dadurch mit Mandy, Paolo und Tine, wo sie echt voll lange irgendwie den Kontakt verloren habe, irgendwie wieder voll den Kontakt und sei schon mehrmals von echt schnafte Typen angegruschelt worden ...«

weiter geht's hier.

auch wenn dort weder die skandale der letzten monate noch der vor kurzem heftig beneidete millionen-deal thematisiert werden, trifft dieses satirehäppchen doch gleich mehrere nägel auf den kopf: das ganze gewese (lies: hype) um »eines der größten internetbasierten netzwerke in europa«, wie es ebenso umständlich wie wenigsagend auf dessen website heißt; die erkenntnis, dass durch das, was insider und aufschneider so gerne als »web 2.0« propagieren, jeder popel zugleich sein eigener pressesprecher ist, was in der tat gar nicht zu überschätzende auswirkungen auf die medienwelt zeitigt (und zeitigen wird — eine version uns dräuender zukunft bietet das bekannte »epic«-filmchen); und natürlich der nicht zu unterschätzende verlust von sprachkultur, eine verlotterung, die weit gravierender ist als die angebliche bedrohung durch anglizismen. (über meine zunehmende tendenz zu konservativen ansichten sprach ich bereits ...)

man, nein: ich, zumindest ich sollte mir besser nicht allzu oft vor augen führen, dass die meisten der rund 1 million studivz-mitglieder studierende sind ... (und wage es bloß keiner, mich »gruscheln« zu wollen!)

achja: allseits, wenn auch verspätet, ein frohes neues!

Sonntag, 3. Dezember 2006

»mit offenen karten«

normalerweise geben sich sog. druckkostenzuschussverlage — also unternehmen, die sich auf die ein oder andere weise von den autoren*) dafür bezahlen lassen, dass sie deren bücher verlegen — etwas mühe damit, ihre wahren absichten zu verschleiern bzw. etwas als besondere und deshalb bezahlenswerte dienstleistung zu verkaufen, was für einen verlag eigentlich selbstverständlich sein sollte (das lektorat, beispielsweise, oder auch der eintrag in den katalogen des buchhandels und der versand von rezensionsexemplaren). immerhin: manche beweisen inzwischen mut zur ehrlichkeit, indem sie sich klipp und klar als »dienstleisterverlage« bezeichnen.

wahlweise dreist oder aber geradezu bemerkenswert offen ist allerdings das folgende unternehmen, das mit dem slogan »neuen autoren eine chance!« für sich und in diesem fall für die beteiligung an einer anthologie wirbt:

»Jedem Teilnehmer stehen mindestens vier (Mindestbeteiligung) und maximal dreißig Buchseiten zur Verfügung. Prosatexte belaufen sich pro Buchseite auf ca. 1.900 Zeichen; für Gedichte stehen 32 Zeilen à ca. 60 Anschläge zur Verfügung, wobei jedes Gedicht auf einer neuen Seite beginnt. [...]

Publikationskosten oder ein Druckkostenzuschuß werden nicht berechnet. Der Verlag liefert jedem Autor pro belegter Buchseite zwei Buchexemplare zum Buchhandelspreis von je EUR 29,90 inkl. 7 % MwSt.«

[die quelle verlinke ich mit absicht nicht. tante google weiß wie immer rat.]

na, wer findet den widerspruch? ;o)

rechnet man sich das durch, kann einem schnell schwindelig werden: mit 239 euro und 20 cent wird hier jeder autor für seine 4 seiten zweifelhaften ruhm zur kasse gebeten; 384 seiten umfang hatte die letzte anthologie, die in diesem verlag erschienen ist ... den rest überlasse ich Ihrer fantasie bzw. Ihren rechenkünsten.

aber clever ist das konzept allemal, und zwar in mehrfacher hinsicht: nicht nur, dass der mutmaßliche gewinn für den »verlag« die kosten für druck, bindung und auslieferung bei weitem übertreffen dürfte — hier werden zugleich die verkaufszahlen künstlich angekurbelt, stehen doch jedem autor pro seite zwei selbstbezahlte »belegexemplare« zu. der »verlag« kann also mit einer vergleichsweise hohen auflage protzen, ohne dafür das geringste risiko einzugehen — und vor allem, ohne sich auch nur einen deut um werbung und vertrieb scheren zu müssen. das wäre aber wohl ohnehin ein eher vergebliches unterfangen, denn wer bitteschön kauft für diesen preis eine anthologie, die zwar hochtrabend mit »lyrik und prosa unserer zeit« betitelt ist, aber kaum auch nur einen autornamen aufzubieten hat, den man schon mal wenigstens irgendwo gelesen hat?

und auch die autoren können sich nicht beschweren: schließlich wird hier wird von anfang an mit offenen karten gespielt, so dass niemand im nachhinein behaupten kann, er habe nicht gewusst, was da auf ihn zukommt.

chapeau, ihr schlingel! ich hoffe, ihr erstickt an eurem geld!

[ *) gemeint sind hier die autoren literarischer, nicht wissenschaftlicher werke. im wissenschaftsbetrieb sind vom autor erbrachte druckkostenzuschüsse gang und gäbe.]

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